Tu was du liebst und du musst nie wieder arbeiten (Konfuzius)

 

Hallo, ich bin Anicca.

Es ist gut, sich seiner Reise bewusst zu sein, und wenn du magst, bekommst du hier einen Einblick darüber, wer ich bin. Da ich immer wieder auch zu hören bekomme, dass mein Weg Mut machen kann, gehe ich ein bisschen in die Tiefe. Für die Eiligen folgt hier demnächst eine  Kurzversion in Form eines Videos 😉

 

In meinem Fall begann die besagte Reise in einem winzigen Dorf mit gerade mal zwei Straßen in der Nähe von Hannover. Genauer gesagt auf einem Bauernhof, der neben seiner ländlichen Idylle eine ziemlich kriegstraumatisierte Generation mit viel Sprachlosigkeit und einem klaren Fokus auf Arbeit mit sich brachte. Drei Töchter, drei mal Magersucht. Der spätere Drang, sich mit Menschen und ihren verschiedenen Schwierigkeiten zu beschäftigen, hat hier ganz klar seine Wurzeln. 

 

Depressionen waren früh ein Thema, die Schule war gleichgültig. Für meine heutige Arbeit mit Menschen war dieses Setting allerdings unschätzbar, denn es zwang mich früh, mich mit der Welt der Psychologie zu beschäftigen und weckte das Interesse an Spiritualität. Sobald ich mit 18 Jahren ein Auto hatte, versuchte ich in der nächst größeren Stadt mehr oder weniger erfolgreich mit Hilfe von Meditation und buddhistischen Retreats mein Leben zu ordnen und besuchte die ersten Kurse in Kinesiologie und Aufstellungsarbeit. Das war Anfang der 90er, als es diese Oasen noch kaum gab. 

 

La vie parisienne – und seine Konsequenzen

Kurz darauf reiste ich zum ersten Mal nach Paris – und verliebte mich auf den ersten Blick in die Stadt. Die Reise veränderte buchstäblich alles. Ich wusste, hier wollte ich leben. Durch eine wunderbare Fügung  bekam ich tatsächlich nur kurze Zeit später die Möglichkeit, für ein Jahr in der Stadt zu arbeiten. Diese Zeit sollte die wichtigste meines Lebens werden. Hatte ich das Dorf mit seinen Beschränkungen oft wie ein Gefängnis wahrgenommen, dehnte Paris die Möglichkeiten und den Radius dessen, was ich für mein Leben erleben und erreichen wollte, ganz gewaltig. 

 

Zurück in Deutschland startete ich durch. Mir wurde klar, dass ich studieren wollte und holte in Windeseile mein Abitur nach. Ich wusste, dass ich mich mit dieser neuen Richtung meiner Familie weiter entfremden würde, für die ich schwer zu verstehen war. Das zehrte durchaus an mir, aber an ein Zurück war nicht mehr zu denken.

 

Plötzlich taten sich immer mehr neue Möglichkeiten auf. Da ich gern schrieb begann ich als freie Journalistin bei einem Radiosender zu arbeiten und zog schließlich für das Studium nach Köln. Meiner Liebe zur Psychologie traute ich mich nicht nachzugeben. Ich hatte noch immer mit den Nachwehen der Magersucht zu tun und dachte, dass man frei sein müsse von eigenen Themen, um in dem Bereich zu arbeiten. Wie falsch ich lag – aber das sah ich erst später. Stattdessen landete ich bei etwas, was meiner Meinung nach das Interesse an der gesellschaftlichen Perspektive verband mit der Aussicht, etwas Sinnvolles zu tun: der Politik. 

 

Die fatale Macht des Selbstbildes

Für viele Jahre stieg ich tatsächlich völlig in diese Welt ein. Ich bekam einen Studienplatz an der Pariser Grande Ecole Science Po, einer Eliteuni für den Politikbereich und studierte Politik, Romanistik und Wirtschaft. Plötzlich saß ich mit lauter Diplomatensöhnen und Abkömmlingen von Großindustriellen in den Vorlesungssälen und fand meine neue Welt einerseits spannend und bunt. Gleichzeitig tat ich mich schwer mir zu erlauben, wirklich in diese Welt zu gehören. Durfte ich das? Das Studium fiel mir leicht, ich arbeitete selbst an der Uni und bekam ein wunderbares Stipendium – doch ich hatte nicht das Gefühl, gut genug zu sein. Ich war erstaunt über die neuen Möglichkeiten, die sich auftaten und schätzte sie sehr. Doch auf einer Ebene blieb ich das Mädchen vom Dorf, das mit dem Satz aufgewachsen war, was glaubst du, wer du bist. Es dauerte tatsächlich viele Jahre – eher Jahrzehnte – bis mir dämmerte, dass ich offenbar wirklich Fähigkeiten hatte. Wichtige sogar. Diese Zeit brachte mir viel über die Macht von Identität und des eigenen Selbstbildes bei und wie schwierig es ist, daraus auszusteigen. Darüber, wie das, was wir zu oft gehört haben, weiter wirkt, auch wenn es offensichtlich nicht mehr stimmt. Die meisten von uns haben diese Schreckgespenster der Vergangenheit und lassen sich davon beschränken. Manchmal bewusst, doch viel zu oft fast gänzlich unbewusst. 

 

Ab in die Politik

Gut 10 Jahre arbeitete ich danach in der Umweltpolitik und Wirtschaft und eiferte meinem leistungsgetriebenen Denken nach: Erst in Unternehmen, dann ab zur UN nach Paris, schließlich beruflich wieder zwei Jahre nach Brüssel, von dort nach Bonn und Berlin um dann  für die Bundesregierung im Bereich internationale Klimaverhandlungen zu arbeiten. Zweifellos eine sehr spannende und geographisch völlig verrückte Zeit, in der ich jahrelang für das Klimakonferenzgeschäft kreuz und quer durch die Welt flog.

 

Doch mit der Zeit begannen die Zweifel. Je normaler die zweifellos schicke Business Class und das ministeriale Geschäft wurden, desto mehr fragte ich mich, was ich damit erreichte und wie sinnvoll es tatsächlich war. Immer schwieriger fand ich das betonte Festhalten an Hierarchien, die festgezurrten Arbeitsabläufe, das Gerangel um Macht und Wichtigkeit.

 

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