Richtig gutes Coaching und was du selbst dafür tun kannst (Teil 2)

Die psychologischen Grundlagen deiner Veränderung

 

Hier nun also der angekündigte zweite Teil des Artikels, der sich damit beschäftigt, wie sich die Chance auf ein erfolgreiches Coaching erheblich steigern lässt. Du erfährst, wie du dich vorbereiten kannst und auch, worauf du bei der Wahl deines Coaches achten solltest. Schau einfach, was dir davon wichtig ist und wo du dich (teilweise) wiedererkennst.

 

1. Ein Hoch auf ein wenig Wachstumsschmerz!

Im Laufe meiner Ausbildungen habe ich einige Methoden kennengelernt, die versprechen bestimmte Blockaden oder Schwierigkeiten quasi „wegzuzaubern“. Und ich bin froh, als Kopfmensch viel über ziemlich ungewöhnliche Ansätze wie z.B. Quantenheilung etc. gelernt zu haben, weil es das Weltbild auf den Kopf stellt und ergänzt. Meine Erfahrung aus über 12 Jahren Anwendung verschiedenster Ansätze ist allerdings: Es gibt Entwicklungsschritte, die der tiefste Teil deiner Selbst – deine Seele oder wie auch immer du es nennen möchtest – verstehen muss, damit sie auch wirklich als eigene neue Sicht der Dinge angenommen werden können. Diese zentralen Schritte kann einem niemand einfach abnehmen oder „auflösen“, denn dafür sind wir hier!

Wirkliche Veränderung, die wesentliche Punkte in uns berührt, muss erlebt werden und spürbar sein, damit sie verinnerlicht und wirklich ein Teil von uns werden kann. Damit sie nachhaltig ist und nicht an anderer Stelle wieder auftaucht. Echte Veränderung bedeutet, dass unser Ego ein Teil seines Denkens, an das es bislang glaubte, freigibt. Und das fühlt sich meist erst einmal ungewohnt und unangenehm an. Manchmal kann es sogar auch etwas weh tun. Es ist sicher sinnvoll, sich dabei gute Hilfe zu holen, damit es schneller und leichter geht. Aber ein bisschen Wachstumsschmerz kann trotzdem passieren und das ist letztlich auch gar nicht schlimm. Im Gegenteil, es ist ein Zeichen dafür, dass Altes bröckelt und Neues kommt. Es lohnt sich!

Aufgabe deines Coaches ist es, dich auf diesem Weg zu begleiten und Orientierung zu geben, wenn man als Klienten selbst nur einen kleinen Teil der Wegstrecke erkennen kann oder am liebsten wieder umdrehen würde.
Ein guter Coach versteht dein Potenzial und macht gemeinsam mit dir Möglichkeiten der Umsetzung sichtbar. Er ist dir ein Spiegel für Dinge und Zusammenhänge, die du gerade nicht sehen kannst oder möchtest. Und an unwegsamen Stellen nimmt er dich bei Bedarf auch mal an die Hand. Damit das funktioniert braucht es seitens des Klienten vor allem eines: Vertrauen. Einige wichtige Fragen lauten daher:

 

Vertraue ich meinem Coach?

Hat er die für mein Anliegen nötige Erfahrung?
Kann ich mich auf die Entwicklungsreise so einlassen, dass ich ihm im Zweifelsfall auch vertraue, obwohl mein Kopf sich bestimmte Dinge grad noch gar nicht richtig vorstellen kann?

 

 

Viel wichtiger als die neueste Supermethode ist daher letztlich dein Verhältnis zu deinem Coach. Das Gefühl, dass er dein Potenzial sieht, dich immer wieder zu deinem Ziel zurückführt und bei der Umsetzung wirksam unterstützt. Wenn hier die Vertrauensbasis stimmt, wird dir Veränderung viel leichter fallen. Und damit schneller gehen.

 

 

2. Bereit für Veränderung? Wirklich?

Unser Verstand ist ein kapriziöses, eigensinniges Wesen, das seine liebgewonnenen Glaubenssätze gewiss nicht ohne weiteres rausrücken möchte. Immerhin gab das bisherige Weltbild die Sicherheit, dass man wusste was man hat und das Risiko der Enttäuschung war damit minimiert. Sich auf neue Gedanken einlassen? Das mag der Verstand eher ungern und der limbische Teil unseres Gehirns schickt dann auch fix die Angst ins Rennen. Wer weiß, was alles passiert bei der neuen Idee. In der Mitte unseres Gehirns liegt etwas, das den schönen Namen Amygdala trägt, oder auch etwas weniger mystisch „Mandelkern“. Die Amygdala ist zuständig für die Bewertung und Wiedererkennung von Situationen und die Einschätzung möglicher Gefahren. Sie steuert u.a. unsere Furcht. Und die Furcht setzt meist eben nicht im „Erwachsenen-Ich“ an, das selbstbewusst Herausforderungen angehen kann, sondern in viel älteren Teilen unseres Gehirns, die mit unseren Gefühlen und Erfahrungen als Kind verbunden sind. 

Der Verstand nutzt unser Hormonsystem also leider meist so, dass sich Veränderung erst einmal unangenehm anfühlt. Die Tendenz zur Vermeidung ist damit nur eine logische Konsequenz, der man schnell ausgeliefert ist, wenn man nicht um die Mechanismen weiß. Die Kunst eines guten Coachs liegt darin, diesen Prozess so zu gestalten, dass er möglichst leicht vom Verstand „eingesehen“ und integriert werden kann. Denn der Verstand hat die Tendenz, gerne recht haben zu wollen, sich als Opfer der Umstände zu sehen und möchte darüber hinaus auch Schmerz vermeiden. Dieser Spagat der meisten Klienten – einerseits Veränderung zu wollen und andererseits Angst vor der Ungewissheit zu haben – kann manchmal durchaus Nerven kosten, aber es ist in gewisser Weise normal. Damit muss man als Coach umgehen können. Wichtig aber ist, dass du dir klar wirst, dass ein erfolgreicher Coachingprozess die Bereitschaft zum Umdenken bedeutet, auch bzw. gerade an den Stellen, wo es ziept und unser Ego viele kreative Begründungen und Strategien parat hat, um möglichst weiter verfahren zu können wie bisher. Daher noch mal die Frage:

 

  • Bin ich bereit für echte Veränderung in meinem Leben?
  • Welche Glaubenssätze muss ich dann vermutlich aufgeben?
  • Was bedeutet das für mich?

 

 

3. Dein wichtigster Schatz: das innere Kind

Die Amygdala tut noch etwas Weiteres:  sie weckt in schwierigen oder bedrohlichen Situationen das „innere Kind“ in uns. Der Persönlichkeitsanteil, der in bestimmten Situationen große Angst hatte und sich oft überfordert fühlte. Der Teil, der uns manchmal das Gefühl gibt, uns wieder wie das 5-jährige Mädchen oder der Junge zu fühlen, dem gesagt wird, dass sie oder er etwas eben nicht kann und zur großen Enttäuschung anderer Menschen mal wieder etwas falsch gemacht hat.

Jeder von uns hat dieses „innere Kind“ und es ist absolut maßgeblich an deinem Erfolg oder Misserfolg, deiner Kreativität, Trauer, Genialität und Freude beteiligt. Im Geschäftsleben meldet es sich, wenn es ungeklärte Konflikte und Emotionen gibt, und das in der Regel sehr deutlich und solange, bis wir hinschauen. Deshalb greifen die üblichen Coachingansätze an den wesentlichen Stellen viel zu kurz. Oft wird versucht den Persönlichkeitsanteil des inneren Kindes mit klugen Sätzen oder Affirmationen zu ändern und ruhigzustellen, sodass er WIEDER nicht gesehen wird. Coaching ist gewiss keine Therapie, aber es sollte die Möglichkeit und Sicherheit bestehen, dem Klienten dort wo nötig auf einer tieferen Ebene zu begegnen. Denn das „innere Kind“ kann nicht unterscheiden, ob wir gerade im Bereich Business unterwegs sind oder in einer Therapie. Es will einfach endlich wahrgenommen werden und (gesagt) bekommen, was es dringend braucht, um gut leben zu können, endlich den eigenen Fähigkeiten zu vertrauen und sich guten Gewissens zu erlauben, glücklich zu sein. Vielen von uns hat das gefehlt. Dieser Prozess muss weder lang dauern, noch dramatisch sein, aber er braucht das nötige Verständnis. Das Wiederentdecken ist jedes Mal auf’s Neue sehr berührend und für den Klienten sehr befreiend. Schauen wir nicht hin, wachsen und gedeihen an dieser Stelle stattdessen die Sabotageprogramme. Aber das ist ein eigenes, großes Thema.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

4. Der eigene Einsatz

Coaching hilft die für die Arbeit aufgebrachte Energie leichter und wesentlich zielorientierter fließen zu lassen. Es ersetzt aber nicht den eigenen Einsatz – erst recht nicht an Stellen, die uns womöglich weniger angenehm sind. Nicht selten erlebe ich, dass gerade Frauen sich selbstständig machen und ihr Denken extrem darum kreist, wie sie dem Kunden helfen können. Das ist auch gut so und helfen ist eine wunderbare Sache, die ich nur unterstützen kann. Es macht aber Sinn ab und zu zu schauen, ob man eventuell gerade dabei ist, in eine Falle zu tappen. Denn allzu oft werden gerade in helfenden Berufen und auch im Coachingbereich unangenehme Themen (Stichwort Steuererklärung) dafür ausblendet.

So hatte ich vor einiger Zeit eine selbstständige Klientin, die sagte, dass ihr liebster Zeitvertreib die eigene Meditation sei. Schließlich sei das auch wichtig für die eigene Entwicklung und damit auch zum Nutzen für die Klienten. Das ist absolut richtig, ich werde allerdings hellhörig, wenn dies passiert, während die Finanzen in der Schieflache sind oder es Zeit wäre, über Kundenakquise nachzudenken. Dies sind gerade für Frauen oft unangenehmere Themen. Wenn man nicht aufpasst, rücken sie heimlich, still und leise in den Hintergrund, während es sich so schön kuschelig auf dem Meditationskissen sitzt. Beliebt ist auch das Phänomen, dass es immer erst noch etwas zu lernen gibt, die guten Gründe für immer neue Ausbildungen wollen einfach nicht abreißen. Dabei hat man eigentlich schon alles Wissen, um gut arbeiten zu können.

Bei beiden Beispielen lohnt sich ein ganz dringender Blick auf die Fragen, die man allzu leicht vermeidet. Ich weiß, sie sind weniger angenehm als das Plüschkissen. Doch selbst den Sphären, die man in der Meditation erreichen kann, ist es ein Anliegen, dass unser Sein nicht im sollte/würde/hätte des Verstandes verpufft, sondern dass unsere Ziele tatsächlich umgesetzt werden.

Wenn du spürst, dass dich das Thema betrifft und du zu oft im Konjunktiv lebst, dann gibt es hier zum Schluss einige weitere Fragen, die ich empfehlen kann:

 

 

 

  • Welchen Einsatz bin ich tatsächlich bereit für meinen Erfolg zu bringen?
  • Welche Ängste sorgen im Hintergrund dafür, dass ich wohldefinierte Prioritäten aus den Augen verliere?
  • Mit welchen Sätzen rede ich mir bestimmte Bereiche meines Arbeitslebens schön?
  • Um welche Bereiche und Fragen mache ich mehr als ich sollte einen Bogen?
  • Wie ist die Situation hochgerechnet in 2 Jahren wenn ich so wie bisher weiterverfahre?
  • Will ich das?
  • Was will ich stattdessen?
  • Was muss ich dafür tun?
  • Was bin ich bereit dafür anders zu machen?
  • Wann?

So, das soll für’s Erste genügen als Tipps für erfolgreiches Coaching. Du siehst, DU spielst eine wichtige Rolle dabei und kannst selbst einiges dafür tun, dass es richtig gut läuft! Das ist gut, denn es bewahrt dir dein Gefühl, dein Leben und auch dein Business selbst steuern zu können. Professionelle Unterstützung kann zweifellos sehr hilfreich sein und die Dinge sehr beschleunigen. Aber sei dir immer auch deiner eigenen wunderbaren Ressourcen bewusst, die die Grundlage sind und die dich schon viel haben erreichen lassen.

In diesem Sinne viel Erfolg & alles Gute

Anicca