Richtig gutes Coaching – und was du selbst dafür tun kannst (Teil 1)

Wie du dafür sorgst, möglichst viel von deinem Coach zu profitieren

 

Ich werde immer wieder von neuen Klienten gefragt, ob ich zusichern kann, dass Coachingsitzungen ans gewünschte Ziel führen und wie viele Stunden notwendig sind. Ich kann die Frage gut verstehen und auch ich hätte manchmal gern die für die Antwort nötige Kristallkugel. Ich antworte dann, dass ich erfahrungsgemäß rund 90% meiner Klienten deutlich helfen kann. Doch der Erfolg hängt niemals allein vom Therapeuten ab noch von der Methode, sondern eben zu einem großen Teil auch vom Innenleben des Klienten und vor allem von dessen Bereitschaft zur Veränderung.

Mit einigen grundlegenden Fragen lässt sich die Wahrscheinlichkeit, dass ein Coaching erstaunlich erfolgreich verläuft, aber generell deutlich erhöhen. So wird der eigentliche Prozess schon vorab angestoßen. Fragen beschäftigen den Geist und schicken das Unterbewusstsein schon mal auf die Suche nach den richtigen Antworten. Das ist gut und wichtig, denn:

 

Je klarer du in ein Coaching gehst, desto leichter können sich die die Lösungen zeigen!

 

Wenn du dich also für ein Coaching interessierst oder schon einen Coach hast, dann empfehle ich dir die nachfolgenden Punkte anzuschauen und dich ehrlich zu fragen, was davon auf dich zutrifft. Es dient einfach der Bewusstwerdung darüber, wo du stehst und damit der Vorbereitung für ein effektives Gespräch. Natürlich lassen sich die Fragen später auch noch näher im Coaching selbst vertiefen. Viel Spaß!

 

 

1. Die Basics: Raus aus aus dem Kopf und rauf aufs Papier

Je genauer der Coach weiß, wo der Schuh drückt, desto präziser kann er arbeiten und auf das gewünschte Zielbild des Klienten eingehen. Viele Klienten sehen eine ganze Reihe von Bereichen als verbesserungswürdig an und haben verschiedenste Anliegen. Das kann leicht zu eher diffusen Erwartungen beim Coaching führen, z.B. dass es ganz allgemein „besser“ laufen soll.  Unsortiert produzieren die verschiedenen Anliegen jedoch nur Stress im Kopf und wir fühlen uns ihnen ausgeliefert. Das wird um so klarer, wenn wir uns deutlich machen, dass wir im Durchschnitt täglich über 60.000 Gedanken denken, wovon die meisten in Windeseile durch den Kopf ziehen und unbewusst bleiben. 

Du weißt, dass es nichts bringt, alles gleichzeitig angehen zu wollen. Mit der nötigen Ruhe und Souveränität kommst du viel schneller ans Ziel. Daher beobachte dich in den nächsten Tagen bei der Arbeit und mache eine Liste mit verbesserungswürdigen Punkten, die du der Dringlichkeit nach ordnest. Zu den Prioritäten kann beispielsweise die Optimierung des Kundenkontakts, das Ablagesystem oder Klarheit beim nächsten aktiven Schritt sein. Sammle die Punkte ohne mit dir zu hadern und schreib sie tatsächlich auf. Bring es raus aus dem Kopf und rauf aufs Papier und allein durch den Abstand beim Betrachten der Liste bist du weniger im Gedankensturm gefangen und offener für Lösungen. Frag dich:

 

  •  Was sind hier und jetzt meine Prioritäten?

Meist stellt sich schnell ein deutliches Gefühl ein, das sagt: Ok, hiermit fange ich jetzt an. Dann tu das. Durch die Liste kannst mit deinem Coach viel effektiver einsteigen als wenn du erst in der Sitzung deine Situation Revue passieren lassen musst. Und in dieser Klarheit lassen sich auch die anderen Punkte auf der Liste leichter lösen.

 

2. Dreh- und Angelpunkt: das ehrliche Zielbild

Meist frage ich meine Klienten zu Beginn der Sitzung: Wenn Du dir ganz konkret etwas von mir wünschen könntest was nach der Sitzung anders ist, was wäre das? Was ist dein Zielbild für dein Business? Ja, du darfst groß denken, denn das Bild wird dir helfen die weniger angenehmen Stellen deines Businessalltags (ja, die wird auch auch künftig immer einmal wieder geben) leichter zu nehmen und dich zu fokussieren auf das was du willst. Emotionsgeladene Bilder sind ein starker Magnet für unser Unterbewusstsein, da in ihnen komplexe Informationen gespeichert sind, die auf tiefere Ebenen unserer Selbst wirken als nur den Verstand. Unserer innere Autopilot weiß damit, in welche Richtung er die Dinge für uns entwickeln soll. Das Bild ist sozusagen die Adresse, die wir in unser Business-Navi eingeben. Frag dich daher:

 

  • Was soll nach der Coachingsitzung anders sein?
  • Was ist jetzt ein gutes Zielbild für dein Business?

 

Für deinen Coach sind diese Informationen sehr hilfreich, denn darauf lässt sich gut aufbauen. Stress dich an der Stelle nicht mit Zeitplänen, sondern lass einfach mal dein Unterbewusstsein sprechen. Was wünscht du dir, ganz generell? Und sei dabei ehrlich zu dir selbst: Auch wenn es dein Ego schick fände, wenn du dich die nächsten Jahre abmühst, eine erfolgreiche internationale Speakerin zu werden: Wenn an der Stelle der Traum vom ruhigen Arbeiten im Grünen auftaucht, gilt es das ernst zu nehmen und unbedingt mit einzubeziehen, wenn du nicht nur erfolgreich, sondern auch glücklich sein willst.

 

3. Wie gut darf es dir eigentlich gehen?

Deine inneren Bilder und die damit verknüpften Emotionen bestimmen – meist leider sehr unbewusst – wohin deine Lebensreise geht und wie komfortabel sie sein darf. Nehmen wir eine Metapher als Beispiel: Die einen sehen sich im klapprigen Gebrauchtwagen durchs Leben fahren, andere im vernünftig-praktischen Fiat oder wieder andere im schicken BMW. Und, ja, es gibt auch Menschen, für die ist auch der dazugehörige Chauffeur absolut selbstverständlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass Letztere ihn bekommen – auf welchem Wege auch immer – ist ziemlich hoch. Es ist sinnvoll sich einmal Folgendes durch den Kopf gehen zu lassen:

 

  • Mit welchem Gefährt fahre ich (im übertragenen Sinne) bislang durch mein Leben?
  • Gefällt es mir oder darf es jetzt ein Upgrade sein?
  • Wie geht es mir bei dem Gedanken, dass die Reise ab jetzt komfortabler sein darf? Zweifel oder Freude?

 

Ich sage nicht, dass bestehende äußere Faktoren keine Rolle spielen. Doch die grundlegende Weichen hinsichtlich der Frage, wie entspannt und angenehm deine Reise sein darf, werden auf der Ebene der inneren Überzeugungen gestellt (übrigens sowohl beruflich als auch privat). Um beim Bild des Wagenmodels zu bleiben: Die Kategorie, in die du dich einordnest, ist das Ergebnis deiner Erfahrungen und Konditionierungen – das heißt deines Selbstbildes. Die gute Nachricht: Damit lässt sich wunderbar spielen! Es ist weder in Stein gemeißelt noch ist es ein Naturgesetz oder Schicksal.

Doch meist halten wir die Tür zur Veränderung unbewusst selbst zu. Daher ist es wichtig zu sehen, was dich bisher von der erwünschten Veränderung abgehalten hat und ob du sie dir überhaupt erlaubst. Denn dies ist ganz gewiss nicht selbstverständlich.

 

 

4. Hör auf zu kämpfen!

Die meisten von uns haben über Jahre oder Jahrzehnte Dinge über sich und die Welt gelernt, die nun unter der Überschrift „wahr“ abgespeichert sind. Dazu gehört in der Regel auch tief in unserem Inneren die Überzeugung kämpfen zu müssen und dass das Leben eher anstrengend ist. Dann wird es so sein! Denn zum einen tendieren wir stark dazu, unsere Glaubensmuster zu bestätigen („ich wusste es doch!“). Zum anderen ist es so, dass sich der Verstand bei seinem Job, unser Leben zu sichern und zu gestalten, ganz selbstverständlich auf Erfahrungswerte anderer und der eigenen Vergangenheit stützt. Er rechnet sozusagen vorhandene Daten hoch um daraus möglichst sinnvolles Verhalten für die Zukunft ableiten zu können. Das erscheint uns in wahnsinnig logisch, ist aber eine sehr limitierte Sicht der Dinge, denn Leben bewegt sich dann im Wesentlichen nur im engen Verhaltensradius dessen, was nicht weh tut und was uns „realistisch“ erscheint wird. Dies ist allerdings in der Regel wesentlich weniger, als tatsächlich möglich wäre! Veränderung wird so nur in sehr engem Rahmen zugelassen – wenn überhaupt.

Um deinen inneren Überzeugungen hier auf die Spur zu kommen, ergänze für dich die folgenden Sätze. 

 

  • Um wirklich erfolgreich zu sein, müsste ich bestimmt…
  • Zu der Gruppe der richtig erfolgreichen Menschen zu gehören fühlt sich für mich an wie ….
  • Wenn ich wirklich erfolgreich wäre, könnte ich nicht mehr…

Die Fortführung der Sätze sind eine Kostprobe der inneren Einwände gegen deine Ziele. Die lange gepflegten Überzeugungen darüber, was du vom Leben erwarten darfst, wie hoch der Preis ist und wie die Welt funktioniert, wird dein Verstand normalerweise nicht so ohne Weiteres rausrücken – und das hat auch seinen Wert. Wie leicht oder schwer es sich Menschen machen, ist sehr unterschiedlich. Manche verteidigen ihr innerstes Welt- und Selbstbild mit Zähnen und Klauen, bei anderen ist es, andere sind froh, wenn man ihnen ganz sanft endlich die falsche Brille abnimmt.

Die Kunst eines guten Coachings besteht darin, dein Weltbild zu erweitern und damit Veränderung möglich zu machen, während du dich auf diesem Weg trotzdem weiter sicher fühlst. Dann wird es leichter. Denn dein Verstand will vor allem eins: Sicherheit. Wissen, dass ihr beide überlebt. Umdenken ist daher ein Prozess, bei dem der Klient in mehreren Schritten neue Denkmuster aufgebaut. Deswegen ist meist deutlich produktiver, wenn man sich möglichst stressfrei einige Sitzungen für den Prozess gönnt. Im Gegensatz dazu steht der oft ungeduldige Wunsch, möglichst das ganze Leben per Hauruckverfahren in zwei, drei Stunden ändern zu wollen. Das führt in der Regel aber nur zu Überforderung und Frustration. Tatsächlich ist meine Erfahrung über all die Jahre, dass der Prozess um so schneller geht, je entspannter der Klient sich darauf einlässt. Wirklich.

 

Auf was sich noch achten lässt beim möglichst erfolgreichen Coaching und welches Hintergrundwissen sinnvoll ist, dazu komme ich in Teil II des Artikels.

Für heute lass die Fragen einfach wirken und komm damit mehr bei dem weisesten Anteil an, den du überhaupt fragen kannst: deinem Selbst. Dig deep 😉 !

 

Bis zum nächsten Artikel

Anicca